US-Gesundheitsreform: Big Pharma gewinnt

Das dürfte auch den deutschen Pharma-Lobbyisten gefallen: In Amerika, dem Land mit den traditionell höchsten Medikamentenpreisen der Welt, wird eine gigantische Gesundheitsreform verabschiedet – und die Arzneimittelbranche – wo sicherlich nicht wenige Sparmaßnahmen sinnvoll wären – geht gestärkt aus den Verhandlungen hervor.

Mit rund 32 Millionen zusätzlichen Versicherten wird das Gesetzespaket zwar der gesamten Gesundheitsindustrie neue Kunden bringen, aber die Pharmaindustrie hat es zusätzlich geschafft, verschärfte Regulierungs-Instrumente abzuwehren. Schon sehr früh hatten sich die Konzerne in die Verhandlungen eingeschaltet und konnten den Verlauf so scheinbar in ihrem Sinne beeinflussen.

Zwar müssen die großen Arzneimittel-Konzerne zehn Jahre lang rund 85 Mrd. US-Dollar zur Reform beisteuern, übrigengs rund 5 Mrd. US-Dollar mehr als vereinbart, dafür wurden wirklich einschneidende Regulierungsideen gestoppt, oder, wie die Analystin Barbara Ryan von der Deutschen Bank es im Interview formulierte: “Die Pharmabranche hat die Punkte vermieden, die sie besonders beunruhigt hätte.”

Geplant waren eigentlich:
- eine frühere Öffnung des Medikamentenmarkts für Generika. Nun dürfen die Hersteller weiterhin zwölf Jahre lang exklusiv ihre Medikamente zu höheren Preisen verkaufen. Erst dann wird der Markt auch für die günstigeren Nachahmerpräparate geöffnet.

- ein Verbot an die großen Pharma-Konzerne, Generikahersteller dafür zu bezahlen, ihre billigeren Pillen erst später auf den Markt zu bringen. Diese einträgliche Praxis ist Big Pharma weiterhin erlaubt.

- die Einführung verpflichtender Importquoten für günstigere Medikamente – in Deutschland beispielsweise liegt diese bei fünf Prozent – um die Arzneimittelkosten zu senken. Auch dieser Vorschlag schaffte es nicht in Obamas Reformpaket.

- Preishöchstgrenzen. Wird es auch nicht geben.

Automatisch drängt sich jetzt die bange Frage auf: Was wird wohl aus den von Phlipp Rösler angekündigten Arzneimittel-Sparplänen für Deutschland, die generell schon recht milde ausfallen dürften? Was wird er umsetzen können, was nicht?

Bislang hat es auch die hiesige Pharma-Lobby stets erfolgreich geschafft, große Reformpaket zu verhindern. Eine Positivliste wurde kurz vor Inkrafttreten geschreddert, der Arzneiverordnungsreport konnte einmal wegen allzu Kritischem nur mit geschwärzten Passagen erscheinen. Legendär auch die Rotwein-Runde 2001. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder ließ sich, angeblich bei ein ein paar Flaschen Bordeaux, von Pharma-Bossen die Arznei-Sparpläne von Ministerin Ulla Schmidt abkaufen. Gegen Zahlung von rund 400 Millionen Mark an die Krankenkassen konnten die Konzerne die drohenden Rabatte abwenden.

Tja.
Der Aktienkurs von Pharma-Gigant Pfizer schloss am Montag mit einem Plus von 1,4 Prozent. Auch Freesensius dürfte zu den Gewinnern der Reform gehören, wie Jürgen Salz in der Wiwo schreibt.

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