Getestet: Mieser Wahlhelfer aus gesundheitlichen Gründen

Sie haben es wieder getan: CompuGroup, WAZ Konzern und Ärzte Zeitung haben zur NRW Landtagswahl die Programme der Parteien auf Angaben zu gesundheitspolitischen Fragen durchforstet und daraus ein Test-Tool gebastelt.

Angeblich braucht der interessierte Wähler nur noch fünf Minuten Zeit, muss ein paar Fragen beantworten – und schon weiß er, welche der antretenden Parteien am besten zu den eigenen Einstellungen passt.

Ob dieses Angebot tatsächlich so unabhängig und uneigennützig ist, wie die drei Akteure in einer Pressemitteilung beteuern, lassen ich jetzt mal ganz außen vor, ich teste den Gesundheits-NRW-Wahl-o-Meter: Kann er mir wirklich bei meiner gesundheitspolitischen Wahlentscheidung helfen?

Brav beantworte ich alle 15 Fragen, erkläre, ob ich die Kopfpauschale will oder dass ich MVZs prinzipiell sinnvoll finde. Die anschließende Auswertung ergibt: Meine Antworten stimmen mit den großen und größeren Parteien wie folgt überein:

Okay, das würde mir, wenn ich mich nicht entscheiden könnte, nicht wirklich weiter helfen. Eine Hilfe ist dieses Pseudo-Aufklärerische Webtool auf keinen Fall. Vielleicht waren meine Antworten zu entschieden? Ich versuche öfter auch mal “weiß nicht” anzuklicken. Ergebnis:

Tja, damit kann man doch echt was anfangen…

Besonders störend finde ich bei dem Gesundheitswahlhelfer die Auswahl der Fragen: Dinge, die wirklich interessieren würden, weil sie aus dem Patienten-Alltag abgeleitet wären, haben jedenfalls kaum den Weg in diesen Wahl-o-Meter gefunden. Statt “Werden die 10 Euro Praxis-Gebühr wieder abgeschafft?” oder “Wird die Beratungsleistung von Ärzten gefördert, damit er sich wieder mehr Zeit für mich nehmen kann?”, fragen die angeblichen Gesundheits-Wahlaufklärer: “Soll es eine engere Vernetzung von Forschung und Praxis geben?” oder “Sollen in der Gesundheitsbranche mehr Arbeitsplätze geschaffen werden?”

Lustig finde ich noch Frage 8: “Soll der Konsum von Cannabis legalisiert werden?”

Will man hier Linke von Konservativen trennen? Angaben zum Thema machen – klar – die Linken und die FDP, wobei man dann aber wieder nicht erfährt, was sie hinter dem “Stark statt breit”-Programm der Liberalen verbirgt….

Alles in allem: Eine sinnlose Anwendung, die wohl tatsächlich ausschließlich zu Marketingzwecken der Initiatoren entwickelt wurde (und netterweise ganz nebenbei bei interner Auswertung der einzelnen Klicks noch wertvolle Aufschlüsse über die wahre Gesinnung der Testpersonen liefert…). Wer die gesundheitspolitischen Pläne der einzelnen Parteien anhand ihrer Wahlprogramme vergleichen möchte, muss sie wohl selbst durchsehen.

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