“Gegebenenfalls sinnvoll”: Philipp Rösler und die dringend nötige Offenlegung von Pharma-Studien

Vergangene Woche wurde aus der Gesundheitsprämie nach einer Bremse der Bundeskanzlerin wohl ein Finanzkraftausgleich, Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler arbeitet also lieber auf anderem Terrain weiter:

Wie die WELT berichtet, will der Bundesgesundheitsminister “sein Arzneimittelsparpaket verschärfen und die Pharmafirmen dazu zwingen, mehr Informationen über die Wirkung ihrer Arzneimittel zu veröffentlichen.” Aber der Gesundheitsminister ist vorsichtig geworden und übt sich in Zurückhaltung: Rösler hält es “gegebenenfalls für sinnvoll”, die Pharmafirmen zur Veröffentlichung der Studien zu zwingen, auch wenn auf EU-Ebene eine Datenbank für Studien vorbereitet wird, schreibt die WELT.

Die Idee ist wahrlich nicht neu, aber längst überfällig: Derzeit müssen Studien-Ergebnisse in Deutschland nicht veröffentlicht werden. Bislang haben sich nur wenige Pharmafirmen dazu bereit erklärt (freiwillig), Studienergebnisse zugänglich zu machen. Experten kritisieren seit langem, dass nur die Ergebnisse positiv verlaufender Studien veröffentlicht werden, während die “schlechten” in der Schublade verschwinden.

Dass dieses Vorgehen nicht zu verharmlosen ist, zeigt auch die im April erschienene Studie “Finanzierung von Arzneimittelstudien durch pharmazeutische Unternehmen und die Folgen” (Teil 1 und Teil 2), herausgegeben u.a. von Klaus-Dieter Ludwig von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und Klaus Lieb, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz.

Die Zusammenfassung:

57 Publikationen wurden in die Auswertung eingeschlossen. Veröffentlichte Arzneimittelstudien, die von pharmazeutischen Unternehmen finanziert werden oder bei deren Autoren ein finanzieller Interessenkonflikt vorliegt, ergeben häufiger ein für die Pharmafirma vorteilhaftes Ergebnis als aus anderen Quellen finanzierte Untersuchungen. Außerdem werden die Resultate öfter zugunsten des Sponsors interpretiert als in unabhängig finanzierten Studien. Es zeigten sich Hinweise, dass pharmazeutische Unternehmen das Studienprotokoll zu ihren Gunsten beeinflussen. Die methodische Qualität in von Pharmafirmen finanzierten Studien stellt sich nicht schlechter dar als die Qualität von anders finanzierten Untersuchungen.

Und die Schlussfolgerung:

Die Finanzierung durch ein pharmazeutisches Unternehmen wirkt sich in verschiedenen Bereichen im Ablauf einer Arzneimittelstudie aus und führt häufig zu einem für den pharmazeutischen Sponsor positiven Ergebnis. Der Zugang der Öffentlichkeit zu Studienprotokollen und Ergebnissen muss gewährleistet werden. Darüber hinaus sollten verstärkt Arzneimittelstudien durchgeführt werden, die unabhängig von pharmazeutischen Unternehmen finanziert werden.

Tja, bleibt dem Gesundheitsminister eigentlich nur zu wünschen, dass er mit dem Versuch, den “Studien-offenlegen-Entwurf” noch in das Arzneimittelsparpaket einzuklinken, das im Spätsommer in Kraft treten soll, Erfolg hat – und das es so umgesetzt wird, dass es (diesmal) keine Schlupflöchter gibt…

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