Schlappe PR vs. ungewollte Kinderlosigkeit

Medizinjournalist Sven-David Müller vom Internet-Gesundheitsportal www.imedo.de, Sie wissen schon – der Freund von Hademar Bankhofer – hat wieder zugeschlagen: Diesmal hat er sich das Thema “Was tun bei ungewollter Kinderlosigkeit?” vorgenommen.

Dabei hat er schier Unglaubliches aufgedeckt: Manches Mal liegt es gar nicht an der Frau, sondern am Mann, genauer an der Qualität der Spermien, dass sich eine Schwangerschaft nicht einstellen will!!!

Ehrlich und aufrichtig bedauert Müller in seinem “Artikel” die Paare, denn “für die meisten von ihnen stellt diese Situation eine große Belastung dar und führt einige Beziehungen auch zum Scheitern”. Dass der selbst ernannte Gesundheitsjournalist so richtig mit den Betroffenen mitfühlt, beweist nicht zuletzt auch die hochkarätige Bebilderung des Artikels.

Dass es sich hier um ein äußerst plattes Stück PR handelt, braucht man gar nicht lang vermuten, gleich rechts neben dem Text findet sich der Werbebanner zum Sponsoren des Ganzen:

Das Unternehmen “Steiner & Co. Deutsche Arzneimittelgesellschaft mbH & Co. KG” wirbt hier für das Nahrungsergänzungsmittel “Profertil”, dessen “enthaltene Vitalstoffe eine eindeutige Verbesserung der Samenqualität bis hin zu einem völlig normalen Spermiogramm erzielt können”

Das erklärt jedenfalls der Hersteller, und das nicht etwa einfach so: “Viele einzelne, für den optimalen Verlauf der Samenzellreifung wichtige Substanzen wurden bereits wissenschaftlich untersucht und beschrieben” heißt es eingangs auf der Porfertil-Internetseite. Wer allerdings genauer wissen will, welche Studien die sensationelle Wirkung belegen, wird enttäuscht:

Muss ja nichts bedeuten, vielleicht reichen Steiner & Co. die Studien noch nach?

Was natürlich schon jetzt nicht fehlt: der Hinweise auf die versandkostenfreie Online-Bestellung: Mit schlappen 39,51 Euro (60 Kapseln) ist Mann dabei….

5 Kommentare zu “Schlappe PR vs. ungewollte Kinderlosigkeit”

  1. Marcus sagt:
    20 Mai 2010 um 14:01

    Sehr schön.
    Hast Du Herrn Müller mal gefragt, woher er das weiß (letzter Satz): “Eine einfache Behandlung mit speziellen Aminosäuren, Spurenelementen, Vitaminen und vitaminähnlichen Substanzen kann die Spermienqualität und das Ejakulationsvolumen des Mannes wieder steigern.”

    Früher hat er wenigstens noch auf Fachartikel verwiesen, auch wenn die auch schon mal ziemlich alt waren.

  2. Marcus sagt:
    20 Mai 2010 um 14:15

    Übrigens: Was soll man auch erwarten. Imedo war letztes Jahr bei Stiftung Warentest eines der beiden schlechtesten Gesundheitsportale (ausreichend).
    http://www.test.de/presse/pressemitteilungen/Gesundheitsportale-im-Netz-Wer-sucht-der-findet-nicht-immer-drei-sind-knapp-gut-1782175-2782175/

  3. Elmar Breitbach sagt:
    20 Mai 2010 um 20:52

    Das Marketing von Profertil und Orthomol fertil trägt nicht nur bei Imedo manchmal merkwürdige Züge. Die Präparate sind billig und rezeptfrei und daher kann man viel Geld ins Marketing stecken.

    Eine Bewertung aus reproduktionsmedizinischer Sicht mag vielleicht in diesem Zusammenhang auch interessant sein:

    http://www.wunschkinder.net/aktuell/wissenschaft/andrologie/werbung-wirkt-1990/

  4. strappato sagt:
    24 Mai 2010 um 17:02

    Die Studie gibt es auf der Austria-Seite;

    http://www.profertil.at/index.php?id=7

    Liegt wohl am HWG in Deustchland.

  5. Antje sagt:
    1 Juni 2010 um 14:02

    Imedo und die anderen Gesundheitsportale sind inzwischen doch dazu verdammt das bisher ausgegebene Geld zu verdienen. Nachdem mmer weniger Ärzte auf den Homepageflop reagieren und die Userzahlen nicht mehr in den Himmel steigen, sind die gekauften Artikel dran.

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