Rette mich, ich unterrichte Physik, Spiegel Online

Betagte Instrumente, öde Formeln und Versuche, die nicht funktionieren: Steht Physik auf dem Stundenplan, ergreifen Schüler meist die Flucht.

Eine kleine Projektgruppe der Uni Wuppertal ist nun ausgezogen, den Ruf des Fachs zu retten – mit einer Wundertüte voller Experimente.
Jörn-Uwe Fischbach, Professor an der Universität Wuppertal, ist sich sicher: “Physik ist spannender als jeder Krimi, eine absolute Spitzenwissenschaft.” Nur leider erfahren die meisten Schüler gar nicht, wie aufregend die Disziplin sein kann – zwei Drittel aller Gymnasiasten wählen Physik so bald wie nur möglich ab, meist noch vor der Oberstufe. Den Schulen fehlt es an Geld und Ausrüstung für anschauliche Versuche. Übrig bleiben hoffnungslos betagte Spannungsmesser und langweilige Formel-Physik, die die Schüler aus den Kursen treibt.

Fischbach will gegen den schlechten Ruf des Faches ankämpfen. Und bedient sich dafür geheimnisvoller schwarzer Koffer. Sie enthalten komplette Klassensätze spannender und vor allem funktionierender Experimente. Lehrer können sich die Zauberkoffer direkt von der Universität ausleihen: Sie wählen auf einer Website den gewünschten Versuch aus, die Experimente kommen dann per Kurier in den Unterricht. Sie tragen Namen wie “Supraleiter”, “Wie funktioniert die Geige?” oder “Fahrbahn”. Das Wuppertaler Projekt heißt “SchulPool”, läuft seit rund einem Jahr und kommt gut an.

Neonhandschuhe und schwebende Magneten

Neun Gymnasien aus Wuppertal und Umgebung sind mittlerweile feste Kunden bei “SchulPool”. “Man muss die Schüler eben nur machen lassen, dann kommt das Interesse für die Physik von ganz allein”, sagt Fischbach. Das Projekt hat sich schon einen eigenen Raum an der Uni Wuppertal erkämpft. Dort lagern die ausleihbaren Koffer, dort werden laufend neue Experimente ausprobiert und für die Schulen weiterentwickelt…

Erschienen auf SPIEGEL Online, 2004

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