AOK bangt um Millionenrabatte, FTD

Der Streit zwischen der AOK und Pharmafirmen um Rabattverträge droht die erwarteten Einsparungen bei den Arzneimittelausgaben in Millionenhöhe zunichte zu machen.

Denn verunsicherte Apotheker geben derzeit eines der umsatzstärksten Präparate aus den Verträgen kaum noch an Patienten ab. Laut dem Pharmahersteller KSK droht die Kasse wegen des Streits rund 100 Mio. Euro und damit ein Sechstel ihrer erhofften Einsparungen zu verlieren.

Seit der Gesundheitsreform können die gesetzlichen Krankenkassen Rabattverträge mit einzelnen Pharmaherstellern abschließen. Apotheker müssen dann deren Mittel an die Versicherten abgeben, es sei denn, der Arzt vermerkt es auf dem Rezept anders. In ihrem Streit, welche Mittel die Patienten bekommen sollen, setzen sowohl Kassen als auch Pharmafirmen die Apotheker unter Druck.

Laut dem Apothekerverband Abda sind viele Apotheker wegen der Auseinandersetzung zwischen AOK und Herstellung nun verunsichert, ob sie bestimmte Medikamente für AOK-Versicherte gegen preisgünstigere Mittel austauschen dürfen oder nicht. Die Kassen drohen ihnen mit Strafzahlungen, falls sie es nicht tun.

“Wer systematisch nicht austauscht, wird retaxiert”, warnte der AOK-Rabattbeauftragte, Christopher Hermann. Apotheker müssten der AOK demnach entgangene Rabatte ersetzen. Einige große Pharmahersteller kündigten ihrerseits an, die Apotheker für die abgegebenen Arzneimittel haftbar zu machen. In Schreiben an die Apotheker, die der FTD vorliegen, warnen sie vor dem Austausch einzelner Mittel durch preiswertere.

Aus Unsicherheit geben die Apotheker zum Teil statt der Rabattmedikamente teurere Präparate ab. Dies betrifft auch den Magensäure-Hemmer Omeprazol, eines der umsatzstärksten Generika. Das Mittel war zum Zeitpunkt des Auftrags der AOK an den Hersteller KSK Pharma nicht in handelsüblichen Packungsgrößen auf dem Markt. Das Vergaberecht begünstigt darum weiter die Abgabe teurer Omeprazol-Präparate. “Gibt es keine Einigung, werden den AOKen in den nächsten zwei Jahren geschätzte 100 Mio. Euro Rabatte entgehen”, sagte KSK-Geschäftsführer Peter Krcmar. Die AOK bestätigt den Betrag nicht, räumt aber Probleme bei den Verträgen ein.

Entzündet hatte sich der Streit zwischen AOK und Herstellern an der Auslegung des Arzneimittelgesetzes. Aus AOK-Sicht dürfen wirkstoffgleiche Arzneimittel ausgetauscht werden, wenn sie ein einziges gemeinsames Anwendungsgebiet aufweisen. Das Bundesgesundheitsministerium teilt diese Auffassung. Pharmaverbände aber wollen durchsetzen, dass ein Austausch-Generikum in sämtlichen Anwendungsgebieten des Originalmittels zugelassen sein muss. Weil dies bei einigen AOK-Rabattmitteln nicht der Fall sei, würden Versicherte Medikamente erhalten, in deren Beilagen ihre jeweilige Krankheit nicht genannt sei.

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