Dalli macht mit: Dürfen Pharma-Firmen bald für innovative Pillen werben?

Das hatten sich die Kritiker anders vorgestellt: Der neue EU-Gesundheitskommissar John Dalli beabsichtigt nicht, den umstrittenen Richtlinienentwurf von Ex-Industriekommissar Günter Verheugen über die Lockerung von Werbung für rezeptpflichtige Arzneimittel zurückzuziehen. Noch Anfang des Jahres hatte sich das anders angehört: Damals hieß es, der ehemalige Gesundheitsminister Maltas sei für eine strikte Trennung von Werbung und Information – anderenfalls bestehe die Gefahr, dass Patienten nicht auf geeignete Arzneimittel zurückgriffen.

Verheugens Initiative, die er im Dezember 2008 erstmals im Rahmen eines “Pharma-Pakets” präsentiere, und auf der Arbeit verschiedener Fachgruppen fußt, sieht unter anderem eine Lockerung der Patienteninformation vor. Arzneimittelhersteller sollen Verbraucher künftig auch über „Produkte, Studien, Krankheitsvorbeugung und Preise“ informieren dürfen. Die Informationen sollen sich am Beipackzettel und den Fachinformationen orientieren und dürfen nicht über Fernsehen oder Radio verbreitet werden.

Patientenverbände, Apotheker, Gesundheitsexperten und Politiker fürchten nun – zu Recht –, dass es bei einer Umsetzung der Richtlinie schwierig werden dürfte, objektive, unverfälschte Information von reiner Werbung zu unterscheiden. Selbst die Vorschrift, die Quellen zu nennen, schützt nicht vor einer Beeinflussung im Sinne des Herstellers, der sich nach Kräften bemühen wird, sein Produkt in gutem Licht erscheinen zu lassen.

Was Dalli genau plant, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Das Europäische Parlament (EP) will einen eigenen Vorschlag vorlegen und sich für verständliche und allgemein zugängliche Informationen im Interesse der Patienten aussprechen.

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