Gesundheitspolitiker auf der DKG-Party: Wenn alle elegant drumrum reden

Heute Abend, Grand Hyatt, Potsdamer Platz, Berlin. Wirklich überraschend war bislang eigentlich nur, wie voll es ist. Die Hotel-Bediensteten mussten zu Beginn eiligst zusätzliche Stühle aufbauen, um allen Gästen einen Platz im Auditorium zu verschaffen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hatte wie üblich zum Frühjahrsempfang geladen – und weil auch das Bundesgesundheitsministerium nach dem Regierungswechsel wieder kommen darf und will, wurde es eben richtig schön voll.

Der offizielle Teil des Abends geriet, obwohl es ja eigentlich um ein ernstzunehmendes Thema geht (“Die Perspektiven des Gesundheitssystems für die Krankenhäuser”) erwartungsgemäß oberflächlich. DKG-Präsident Rudolf Kösters freute sich, dass der “neue” Gesundheitsminister gekommen war und wünschte ihm weiterhin viel Glück auf seinem Weg.

Der Minister freute sich natürlich auch, erzählte ein paar Anekdötchen von seinem schweren Job und dem Umgang mit der Presse. Nein, ich erzähle jetzt nicht, warum Philipp Rösler vermeintlich nackig über die Friedrichstraße läuft – auch wenn das ZDF heute journal es später in voller Länge zeigt – den Witz hat er übrigens schon mal gemacht. Die Ausbildung der Mediziner muss besser werden, Ärztinnen ihren Job besser mit der Familie vereinbaren können, die vereinbarten zusätzlichen Zahlungen für die Krankenhäuser bleiben bestehen….. Wirklich sehr elegant um drängende  Fragen drumrum geredet.

Im anschließende Podium – es “diskutierten” Lauterbach, Spahn, Bender, Flach und Bunge – wurden heiklere Themen zwar benannt, mehr aber auch nicht.  Immerhin schaffte es WDR-Moderator Werner Sonne, zwei Minuten vor Beginn der Vernanstaltung noch schnell von der BMG-Pressesprecherin gecastet, nach “Kopfpauschale”, Finanzierung der Krankenhäuser oder Kürzungen im Arzneimittel-Bereich zu fragen, im Folgenden ließ er die Politiker aber artig ihre Statements abspulen. Während Jens Spahn sich sehr viel weniger gekonnt an der “Nackt-über-die-Friedrichstraße-laufen”-Pointe versuchte, beerdigte Karl Lauterbach beinahe Bert Rürup und verteilte wieder einmal Noten für die Vorschläge seiner Mitredner.

Mit einem bemerkenswerten “Wir sind uns wohl einig, dass wir uns nicht einig sind – hier auf dem Podium” verabschiedete Werner Sonne die Gäste dann endlich in den Nicht-offiziellen Teil des Abends. Was die “Perspektiven des Gesundheitssystems” sein werden, wird wohl am ehesten genau hier und jetzt besprochen – die geladene Gesundheits-Polit-Prominenz blieb nämlich geschlossen noch zum Essen.

Bei Lachs, Braten und Sushi-Röllchen netzwerkt es sich doch sowieso gleich viel besser. Morgen treffen sich ja (fast) alle wieder, zur konstituierenden Sitzung der Regierungskommission zur nachhaltigen und sozial ausgewogenen Finanzierung des Gesundheitswesens…

One Comment

  1. Marcus says:

    und Röslers Witz hat’s dann bis ins heute journal geschafft. Sonst nix.

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