Die “Gesundheits-Kanzlerin” beim Champions-Treffen: Beobachtungen vom BMG-Kongress

Der Aufwand war groß, der blaue Teppich ausgerollt, die Außenwirkung war sicherlich toll, aber inhaltlich…

Das BMG hatte für heute (29. April) ins Berliner “ewerk” an die Wielandstraße geladen, um unter dem klangvollen Titel “We have the champions” auf die herausragende Position vieler deutscher Unternehmen in der weltweiten Gesundheitswirtschaft hinzuweisen und über Zukunftspotentiale zu beraten. Viele Vertreter der Branche sind gekommen. Jeder hat dann aber das erzählt, was ihm eigentlich am Herzen liegt – und dann sind alle wieder nach Hause gefahren. Toll. Einzig der doch angeschlagene Chef des Verbands forschender Arzneimittel-Hersteller sorgte für etwas Abwechslung. Und sogar Angela Merkel kam und redete, aber – über Griechenland.

Aber von vorn:

Auf dem wortreich angekündigten Podium “Forschung, Innovation, Versorgung – geht die Rechnung auf?” erzählte Jörg Debatin, Ärztlicher Direktor der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf, wie innovativ diese doch sei, während Jochen Franke (CEO Philips) und Meinrad Lugan (B. Braun Melsungen) sich einig waren, dass Innovation und Fortschritt natürlich immer weiter gefördert werden müssen…. Wolfgang Zöller, seines Zeichens Patientenbeauftragter der Bundesregierung mahnte, bei aller Entwicklung an eben diese zu denken und an die off-label-Thematik und überhaupt sei Ehrlichkeit doch ganz wichtig. Erst als Frank Verheyen (Direktor des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse) erklärte, dass es andere Vergütungssysteme geben müsse, wurde es kurzfristig interessant.

“Jetzt reden wir schon wieder über Kosten”, bemängelte Wolfgang Plischke von der Bayer AG, außerdem im Vorstand des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VfA) – von den jüngsten Entwicklungen scheinbar angegriffen. Er habe gedacht, am heutigen Tag solle es um Zukunftsmärkte gehen.

Aber wo man schon mal beim Thema ist: Er verstehe nicht, wie man gleichzeitig über mehr Wettbewerb reden, den Pharmakonzernen aber andererseits begrenzende Regelungen auferlegen könne. 16 Prozent Rabatte für drei Jahre – wo gebe es denn so was?

“Das ist nicht adäquat. Das entspricht nicht dem Spirit, den wir hier haben wollen.”

BMG-Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz, ebenfalls auf dem Podium, wollte und durfte noch antworten, dass Zwangsrabatte natürlich nicht DIE bevorzugten Maßnahmen einer konservativ-liberalen Politik seien, aber für drei Jahre – “bis wir eine bessere Lösung gefunden haben” – sei das wohl verantwortbar.

Tja, mit einem dünnen Kichern lenkte die Moderatorin des Vormittags (die leider wenig Ahnung vom Gesundheitssystem zu haben schien) das Gespräch dann wieder in ungefährlichere Fahrwasser, die “tagesaktuellen Fragen sollten ja hier und heute nicht Thema sein.”

Daran hielten sich die weiteren Gäste des “Champions-Treffens” allerdings nicht. Nach der kleinen Mittagspause  – serviert wurden Häppchen wie Linsensuppe (?) im Glas, Garnelenspieße und ein bisschen Obst – eröffnete der Gastgeber den zweiten Teil der Veranstaltung: In langen Worten erklärte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler den anwesenden Gästen aus der Gesundheitswirtschaft wie wichtig doch die Gesundheitswirtschaft für den Wirtschaftstandort Deutschland ist und wie sehr er sich freut, dass sogar die Kanzlerin zu dem Treffen gekommen ist.

Angela Merkel lehnte den angekündigten Titel der “Gesundheitskanzlerin” ab (sie sei ja schließlich für alle Wirtschaftszweige da), bekräftigte dann natürlich ebenfalls, wie wichtig die Gesundheitswirtschaft doch sei – um in einem eleganten finanz- und steuerpolitischen Schlenker zur GRIECHENLAND-Frage zu kommen. “Ja, ich sage nochmals, wir werden helfen.”

Schon klappten die ersten Kamerateams ihr Equipment zusammen, war es doch das, was viele hatten für ihre Redaktionen aufschnappen sollten…

War es Zufall, dass Angela Merkel ihren Blazer passend zur Farbe des Tages in strahlendem Blau gewählt hat? Die Botschaft ist jedenfalls angekommen: Die Kanzlerin steht hinter Philipp Rösler und der hat ja noch viel vor: “Mehr Wettbewerb wagen und zulassen – natürlich ohne die Solidarität und die Qualität im Gesundheitssystem zu schmälern.”

Wie das geht, kann sein Ministerium ja in den nächsten Wochen demonstrieren, ab sofort sollen schließlich die “Eckpunkte des Arzneimittel-Sparpakets” mit konkreten Inhalten gefüllt werden. Denn noch weiß man auch bei G-BA oder IQWIG nicht viel darüber, was da kommen soll…

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