The power of No!

Nicht nur in Deutschland werden Lösungen, die den Kostenanstieg im Gesundheitssystem (sinnvoll?) stoppen sollen, diskutiert. Da ist der “Blick über den Tellerrand” ja sehr aufschlussreich, auch wenn das derzeitige Bundesgesundheitsministerium hier vor Kurzem wenig Engagement erkennen ließ – aber das ist ein ganz anderes Thema.

Beispiel USA: Nach der frisch verabschiedeten Gesundheitsreform werden aktuell neue Institutionen aufgebaut, die sich dem Thema “Kosteneinsparung” annehmen sollen: Das Medicare innovation center soll hierzu zum Beispiel die Effektivität verschiedener Therapien vergleichen, ein Medicare oversight board wird eingesetzt, das Höchstgrenzen für die Kostenübernahme festzusetzen soll.

Doch, wie David Leonhardt in einem sehr lesenswerten Artikel in der New York Times schreibt, stünden alle Gruppen vor dem gleichen Problem: „Tief in ihrem Herzen glauben alle Amerikaner, dass viele und sehr aufwändige Behandlungen auch die besseren sind. Einsparversuche sind mehr als unbeliebt.“

Der „try-anything-and-everything instinct“ sei in der amerikanischen Kultur fest verankert – und habe ja auch Vorteile, meint Leonhardt – aber  eben auch gefährliche Seiteneffekte:

Consider that a recent study found that 15,000 people were projected to die eventually from the radiation they received from CT scans given in just a single year — and that there was “significant overuse” of such scans.

Der wichtigste Schritt, um die Ausgaben für medizinische Behandlungen zu senken wäre also zunächst ein gesellschaftlicher: „Beeing able to say no is the heart of the issue“, nennt das Alan Garber von der Stanford University.

Die Entwicklung zum „Say No more often“ sei ein dreistufiger Prozess, findet Leonhardt:

1. Das Wissen um die Wirksamkeit und Effektivität einzelner Behandlungen muss erhöht werden. Es sei bekannt, dass viele der eingereichten Zulassungsunterlagen nicht ausreichende Informationen enthielten, das betreffe laut dem „Institute of Medicine“ vor allem Behandlungen im Bereich Prostata-Krebs, Rheuma, Rückenschmerzen oder Hyperaktivität.

2. Die Patienten müssen sämtliche Informationen zu einer Behandlung bekommen. Dies sei derzeit oftmals nicht der Fall:

When patients are given information about potential benefits and risks, they seem to choose less invasive care, on average, than doctors do, according to early studies (…) They decide the risk of incontinence and impotence isn’t worth the marginal chance of preventing prostate cancer. Or they choose cardiac drugs and lifestyle changes over stenting. Or they opt to skip the prenatal test to determine if their baby has Down syndrome. Or, in the toughest situation of all, they decide to leave an intensive care unit and enter a hospice.

3. Die Kostenübernahme von Therapien und das Regresswesen muss neu gesteuert werden. Hier ginge die US-Gesundheitsreform noch längst nicht weit genug, aber es sei ein erster Schritt.

Viele Ansätze und Vorschläge kommen einem doch sehr bekannt vor… Wenig thematisiert hierzulande wird derzeit allerdings der Ansatz, dass zunächst der „try-anything-and-everything instinct“ in der Gesellschaft thematisiert werden muss. Sehr wichtig finde ich auch den Vorschlag, die Patienten besser zu informieren und stärker an Entscheidungen teilhaben zu lassen. Bleibt also spannend, wie sich das Thema (in den USA) weiter entwickelt.

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