Update: Theorie oder Praxis: Mühlbauer oder Windeler neuer IQWIG-Chef?

Viel wird derzeit über die Nachfolge von Peter Sawicki als Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) spekuliert. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berief sich mehrfach auf informierte Kreise – und diese sahen zunächst den Bremer Pharmakologen Bernd Mühlbauer vorn, nun soll es angeblich doch Jürgen Windeler, stellvertretender Geschäftsführer und leitender Arzt des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDS) werden.

Stiftungsrat und Vorstand des IQWIG müssen entscheiden: Theorie oder Praxis? Denn – unterschiedlicher könnten die Kandidaten nicht sein:

Bernd Mühlbauer (52) ist Leiter des Instituts für Klinische Pharmakologie an der Uniklinik in Bremen, seine Schwerpunkte liegen in der Planung, Organisation und der Durchführung klinischer Prüfungen. Mühlbauer kennt die Bewertung diagnostischer und therapeutischer Strategien nach den Maßstäben der evidenzbasierten Medizin und betreibt klinische Forschung, etwa im Bereich von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der arteriellen Hypertonie und der Sepsis.

Einen Namen machte er sich durch die Organisation und aktuelle Durchführung der VIBERA-Studie, in der die beiden für die AMD-Behandlung umstrittenen Medikamente Lucentis und Avastin verglichen werden. Auch am Aufbau und der Umsetzung von EVITA, einem Projekt, in dem schnell und transparent neue Arzneimittel bewertet werden, ist Mühlbauer federführend. Es heißt allerdings, dass er großen Wert darauf legt, auch in anderer Anstellung weiter forschen zu können. Ob sich der Vorstand des IQWIG darauf einlässt, das Institut nicht nur auf die Prüfung, sondern auch auf die Forschung auszurichten, bleibt fraglich.

Jürgen Windeler (53) ist Arzt  und seit vielen Jahren im Bereich der evidenz-basierten Medizin tätig: seit 1999 leitet er den Fachbereich beim MDS, von 2005 bis 2007 war er Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Evidenz-basierte Medizin (DNEbM). Theoretisch also ein guter Kandidat für den IQWIG-Posten. Kritiker bemängeln allerdings genau das: Wie soll jemand, der selbst keine Studien macht, diese auch wirklich gut beurteilen können?

Fest steht: Heute entscheidet der Stiftungsrat des IQWIG über die Nachfolge (nicht der Vorstand, wie fälschlicherweise berichtet), am kommenden Dienstag tagt dann der Vorstand regulär und wird sich dann der Personalie widmen. Da aber nicht damit zu rechnen sei, dass dieser der Entscheidung des Stiftungsrats widerspricht, gehen die “informierten Kreise” davon aus, dass die Entscheidung mehr oder weniger heute fällt.

Nachtrag: Wie auch an dieser Stelle berichtet, war der Vertrag von Peter Sawicki Ende Januar nicht verlängert worden. Ende August muss er deshalb seinen Posten in Köln räumen. Er plant, wieder als Arzt zu arbeiten.

Update (02. Juni):

Wie der Spiegel berichtet, hat sich der Stiftungsrat des IQWIG heute festgelegt: Jürgen Windeler soll neuer Leiter des IQWIG werden und damit Peter Sawicki ablösen, der das Institut nach Ablauf seines Vertrags Ende August verlässt. Laut Spon sei man am IQWIG selbst “froh über die Personalentscheidung”.

Offiziell verabschiedet wird die Entscheidung dann durch den Vorstand nun am kommenden Dienstag. Es gilt allerdings als sicher, dass der Vorstand Windeler, lange Zeit auch Präsident des Deutschen Netzwerks für evidenzbasierte Medizin (DNEbM), zum obersten Arzneimittelprüfer benennt.

One Comment

  1. Finde ich ja fast eine Entscheidungsproblem auf hohem Niveau. Beide scheinen mir gute Leute für den Posten. Forschung betreiben neben dem IQWiG-Chef-Posten scheint mir schwierig.

    Das Argument ‘hat selbst noch keine Studien gemacht’ bei Windeler ist ein Witz.

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