Armer Apotheker, armer Patient

Gestern war mal wieder “Tausende-Medikamente-sind-nicht-mehr-Zuzahlungsfrei-Tag”, diesemal schaffte es die Neuigkeit sogar auf die Titelseite der BILD.

Wer die zugehörigen Artikel in den Zeitungen liest, kann sich allerdings nur wundern: Mühevoll wird das unheilvolle Zusammenspiel von Festbeträgen und Zuzahlungsbefreiung erklärt, meist so umständlich, dass es keiner kapiert. Hier ein Beispiel, entnommen der Rheinischen Post:

Ursache für die deutliche geringere Zahl an zuzahlungsfreien Arzneien sind schwankende Fstbeträge für die Arzneien … Wenn ein Hersteller diesen Preis um 30 Prozent unterschreitet, muss der Versicherte in der Apotheke keine Zuzahlung leisten…Die Krankenkassen  profitieren entweder von der Zuzahlung ihrer Versicherten oder von den niedrigen Preisen der Pharma-Hersteller. Für die Versicherten ist die Regelung sehr unübersichtlich….

In der Tat.

Bei derart komplizierter Materie spart sich BILD die Erklärung der Hintergründe lieber gleich komplett. Hier lautet die eindeutige Botschaft: “Es wird teurer”.

Besonders bemerkenswert ist – auch das darf zu solchen Anlässen nicht fehlen – die Stellungnahme der armen, ach so gebeutelten Apotheker, die ja wirklich zu bemitleiden sind, weil jetzt wieder mehr Arbeit auf sie zukommt (offiziell heißt das “höhrer Beratungsbedarf”). Das es naheliegend ist, dass der  Chef eines Apothekerverbands von einer derartigen Entwicklung nicht erfreut ist und sich – aber angeblich stets im Sinne der armen, verunsicherten Versicherten – über den erwartetenden Ärger in den Apotheken beklagt, steht auf einem anderen Blatt.

Hier punktet dann wiederum die BILD. Auch sie spricht mit dem obligatorischen Apotheker-Lobbyisten, doch Heinz-Günter Wolff, Präsident des Bundesverbands Deutscher Apothekerverbände (ABDA), ist wenigsten ehrlich – und sagt, warum ihn die Zuzahlungs-Befreiungs-Misere wirklich ärgert:

“Wir müssen Millionen Patienten informieren, machen aber nur das Inkasso. Das Geld fließt komplett an die jeweilige Krankenkasse.”

One Comment

  1. Tobias says:

    Wie läuft denn so ein “Beratungsgespräch” in der Apotheke?
    “Huch, da musste ich doch letztes Mal nichts zuzahlen.”
    “Ja, jetzt will das Ihre Krankenkasse aber.”
    “Na gut.”
    “Darf ich Ihnen noch ein paar Taschentücher dazugeben?”
    “Hmmh, klar.”

    Ja, das ist echt richtig viel “Beratungsaufwand”.

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