“Was können wir denn von den Herzopfern der Azteken lernen?”

Den Redakteuren in den Redaktionen ist es derzeit scheinbar etwas langweilig. Kann man ja auch verstehen: Die 33 Chilenen wurden tatsächlich alle gerettet (keine Toten), Klitschko-Gegner Shannon Briggs wird das Krankenhaus nach ein paar OPs wieder verlassen können und auch sonst ist schon lang kein Vulkan mehr explodiert oder ein Hurrikan über halb Amerika gewirbelt. Okay – wo keine Leichen sind, kann man ja trotzdem wunderbar darüber schreiben:

Wer wissen möchte, ob er an einer häufigen oder einer weniger häufigen Todesursache verstorben ist, der lese einfach die heutige Rheinische Post. Oder wie sonst ist dieser Aufmacher zu verstehen?

Wir erfahren, dass 41,7 Prozent der Deutschen an Krankheiten des Herz-Lreislauf-Systems versterben, aber nur 1 Prozent an “Stürzen, oft im Haushalt”. Was bringt diese Nummer jetzt dem Leser? Soll Opa Herbert jetzt zur Gattin sagen: “Guck mal, die Tante Immi mit ihren Herzbeschwerden, das wird noch bös’ enden”?

Man weiß es nicht. Schöner nur noch ein Zitat aus einem aktuellen Interview mit Dietrich Grönemeyer – ja, er hat mal wieder ein Buch geschrieben – aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 17. Oktober:

Frage: Was können wir denn von den Herzopfern der Azteken lernen?

Grönemeyer: Eine ganze Menge. Sicher war der Ritus an sich grausam: Man schnitt, soweit wir wissen, jungen Menschen bei lebendigen Leib das Herz heraus, um es dem Sonnengott zu opfern. Die Azteken waren heliozentrisch, sie betrachteten das Herz als Mittelpunkt des menschlichen Kosmos, so wie sie die Sonne als Mittelpunkt des Universums ansahen. Aus heutiger Sicht muss man sagen, sie opferten ihrem Gott das Wertvollste und Schönste überhaupt. Diese Wertschätzung des Herzens sollte uns allen zu denken geben.

Eben. Vielleicht fängt Herr Grönemeyer direkt mal damit an. Und seine Interviewpartnerin gleich mit.

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