Eckhard Nagel und die Sache mit der Rationierung

Anbei noch ein Auszug aus einem sehr lesenswerten FAS-Interview mit Eckhard Nagel am 6. Februar. Der Transplantationsmediziner bringt es einfach auf den Punkt, was das Thema Rationierung / Priorisierung derzeit für das deutsche Gesundheitssystem bedeutet. Als Mitglied des Deutschen Ethikrates hat er mit seinen Kollegen gerade eine umfassende Stellungnahme zum Thema präsentiert.

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Aber fast in allen Situationen, wo es um teure Medikamente geht, gibt es immer wieder Situationen, in denen es schwierig ist, alle Patienten gut zu versorgen.

Geraten Ärzte da in Gewissenskonflikte?

Natürlich kann es ein Gewissenskonflikt sein, wenn sie entscheiden müssen, wer ein teures Medikament bekommt und wer nicht. Dann sollten sie nach dem bestmöglichen Nutzen für die Patienten entscheiden. Aber das ist nicht immer einfach.

Wieso?

Weil wir unter Budgetrestriktionen entscheiden. Stellen Sie sich vor, ich sei ein niedergelassener Arzt, der ein Budget für Medikamente hat und zwei zur Auswahl: ein Krebspräparat, das 40 Euro pro Behandlungszyklus kostet und eines das 4000 Euro kostet und einen etwas höheren Nutzen hat. Gebe ich das 40-Euro-Medikament, dann weiß ich, dass ich die nächsten 30 Patienten auch noch behandeln kann. Gebe ich aber das 4000-Euro-Medikament, habe ich für den einen Patienten vielleicht einen höheren Nutzen, muss mir aber womöglich Gedanken machen, was ich den nächsten 30 noch verordnen kann.

Viele Ärzte wollen solche Entscheidungen nicht mehr treffen und lieber an die Politik deligieren. Wollen sie sich vor der Verantwortung drücken?

Nein. Aber wenn ich ein Budget zugeordnet bekomme, dass es mir unmöglich macht, alle Behandlungsfragen zu bearbeiten, dann möchte ich nicht, dass die Gesundheitspolitiker sagen: “Es gibt alles, kein Problem. Und wenn es euch einer nicht gibt, dann ist es der Arzt vor Ort.” Da verschließt die Politik die Augen vor der Situation, auf die wir zulaufen.

Die wäre?

Der medizinische Fortschritt und der demographische Wandel werden bei den begrenzten Gesundheitsausgaben zu dem Punkt führen, an dem man fragen muss: Was können wir uns noch leisten? Und was nicht? In Einzelfällen sind wir schon so weit. Und hier muss die Politik Entscheidungen treffen. Ärzte können nicht diejengen sein, die das beantworten sollten.

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