Wahnsinniges der modernen Pharma-Welt

Angesichts neuerlicher Reformen um Rabatte, Nutzenbewertungen und Packungsgrößen-Diskussionen scheinen manche Arzneimittelhersteller anscheinend die Flucht nach vorn angetreten zu haben – mit teils kuriosen Ergebnissen.

Absolut trendy kommen AbZ Pharma und Teva daher. Sie stellen eine poppige Internetseite in hippen Pink-Tönen und lustigem Regenwürmchen ins Netz und starten eine versteckte Kamera-Aktion in die Apotheke. Seit dem 14. April stehe der erste Film der Reihe „Der tägliche Wahnsinn“ im Netz. AbZ Pharma und Teva haben dafür den professionellen „Lockvogel“ Klaus Sommerfeld mit einer versteckten Kamera in Apotheken geschickt, heißt es in der Pressemitteilung: “Der Komiker stellt den Humor und die Schlagfertigkeit des Apothekenpersonals auf die Probe und liefert damit die beste Medizin: das Lachen.”

Die einzelnen Clips sind – wie die Seite auch – durchaus professionell gemacht. Auch ist es zu begrüßen, dass Pharmafirmen mal nicht jammern, sondern mal etwas lustiges (versuchen) machen. Dennoch: Ein wenig unvermutet kommt die Aktion schon daher, Lachen mit Ansage geht eben doch meistens schief. Komisch ist vielleicht eher, dass die Hersteller etwas ganz Natürliches als “beste Medizin” bezeichnen.

Was wollen uns AbZ Pharma und Teva damit sagen?

Arzneimittelhersteller Celgene lädt derweil bundesweit zu Pressegesprächen unter dem bedeutungsschweren Titel “100 Tage AMNOG – eine Bilanz” ein – und es geht um vieles, die Atmosphäre ist angenehm, alle sind sehr freundlich. Um das Neuordnungspaket geht es allerdings nur am Rande. Eine Bilanz kann es ja auch gar nicht geben, noch gilt die Übergangsfrist und erste Bewertungen schlummern auf den IQWIG-Schreibtischen. Während des Termins im feinen Melia-Hotel in Düsseldorf werden die üblichen Statistiken gezeigt (der Arzneimittelkosten-Anstieg war bisher gar nicht so stark, zu viele Gesetze machen den Herstellern das Forschen schwer usw.) Zum Schluss verschenkt die Firma dann noch Bücher: “Warum Spinat nur Popeye stark macht – Mythen und Legenden in der modernen Wissenschaft”

Was will Celgene uns damit sagen?

Ungleich langweiliger erscheint da das jüngste Bayer-Mailing. Der Leverkusener Konzern schickt eine Broschüre: “Namen Zahlen Fakten 2011 / 2012” – das Cover zeigt eines dieser typischen “Forscher schauen etwas an”-Bilder (in diesem Fall weiß mal allerdings nicht so recht, worauf das Pärchen da zeigt*), der Inhalt ist dafür durchaus interessanter. Wer ein wenig blättert, entdeckt beispielsweise, dass die Frauenquote bei Bayer in “Führungskreisen” bei 5,5 Prozent liegt oder dass 40.200 der 111.111 Bayer-Mitarbeiter im Vertrieb arbeiten – und 12.800 in Forschung und Entwicklung.

Das sagt mir schon eher etwas.

* wie mir ein Leser berichtet, schauen die beiden Forscher auf dem Titelbild “Namen, Zahlen, Fakten” der Bayer AG übrigens auf den Katalysator, der es nun endlich schafft, Kohlendioxid ökonomisch ind Polymere einzubauen. Vielen Dank für den Hinweis!

Leave a Comment