Video-Apotheken AG insolvent: Nix mit CoBox

Erinnert ihr euch noch an die CoBox? Diese Passbild-Automaten-Kartons, die die Welt der Apotheken revolutionieren sollten? Vor allem in ländlichen Regionen aufgestellt, sollte die Box den Besuchern wie auch den angeschlossenen Apothekern Zeit (und Kosten) sparen. Wie die Deutsche Apotheker Umschau (online) nun berichtet, ist der Pillen-Beichstuhl doch nicht so gut angekommen, wie begeisterte Investoren Glauben machen wollten: Ulrich Baudisch, Vorstand der CoBox AG, hat am 5. Juli beim Amtsgericht Wetzlar wegen Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag gestellt. Gegen die CoBox AG wurde ein allgemeines Verfügungsverbot erlassen und es wurde die vorläufige Verwaltung des Vermögens und des Geschäftsbetriebes angeordnet, so die DAZ.

Weiterhin sei es so, dass niemand weiß, wie viele CoBoxen überhaupt aufgestellt wurden: “Offenbar habe sich das Unternehmen nicht zuletzt auf über Anzahlungen von Apothekern finanziert. Nach und nach kommen bei Pfeil Briefe an, in denen Apotheker sich verwundert zeigen, warum sie von dem Unternehmen nicht angerufen werden” so DAZ weiter. Es sehe so aus, als ob die Schwierigkeiten schon eine Weile andauern, habe der  Insolvenzverwalter erklärt. Klar sei offenbar auch: Vermögensmasse, die auf die Gläubiger verteilt werden könnte, ist keine da. Nicht nur Apotheken sind in Mitleidenschaft gezogen, es gibt auch Lohn- und Gehaltsrückstände bei Mitarbeitern.

Ein Blick auf die Unternehmens-Website lässt dies alles nicht erahnen – hier liest der Besucher nur über das innovative Konzept, die Größe des eingesetzten Video-Bildschirms und den aktuellen Bezugspreis der CoBox-Aktien. Vielleicht sollte die Apotheker-Zeitung selbst ein wenig zur Aufklärung beitragen und alle Apotheker, die sich eine Video-Apotheke haben andrehen lassen bitten, sich zu melden – vielleicht findet sich ja ein Apotheker-Landesverband, der für die in Schieflage geratene AG in die Bresche springen will?

Alexander Müller kommentiert in Apotheke Adhoc, die CoBox sei nicht der erste neue Player, der für seine Euphorie gefeiert wird und dann nach ein oder zwei Jahren hart auf dem Boden der Versorgungsrealität aufschlägt. Und der dann schnell merke, dass gerade die Apotheken auf dem flachen Land die Versorgung mit viel effizienteren Methoden sicherstellen. “Dabei hatten die Macher wirklich nichts unversucht gelassen: die Behörden bekniet, die Apotheker umworben, sogar den Duplo-Werbespruch umgedichtet. Doch irgendwann war das große Feuerwerk um die ‘vermutlich kleinste Apotheke der Welt’ abgebrannt. BMG und Patentamt ließen sich nicht gegeneinander ausspielen, der Innovationspreis ging an ein anderes Start-up-Unternehmen und Flaggschiff-Apotheker fanden sich auch nicht so leicht.

Tja, für eine rezept-Sammelstelle auf dem Land war die CoBox wahrscheinlich wirklich zu teuer.

2 Comments

  1. Liebe Redaktion,

    DAZ heißt nicht “Deutsche Apotheken Umschau”, sondern “Deutsche Apotheker Zeitung” (sonst hieße sie ja auch DAU…). Die Apotheken Umschau ist eine millionenfache Kundenzeitschrift (Verlag Wort&Bild), die Deutsche Apotheker Zeitung die größte verbandsunabhängige Fachzeitschrift für Apothekerinnen und Apotheker (Deutscher Apotheker Verlag). Die Mischforn von Beiden gibt’s – Gottlob – nicht.

    Beste kollegiale Grüße
    Christian Rotta

  2. Nicola Kuhrt says:

    Liebe Herr Rotta, vielen Dank für den Hinweis – das ist mir durchgerutscht – wird nicht wieder vorkommen! Nicola Kuhrt

Leave a Comment