Praxisgebühr: Das können wir uns schenken!

Erst erklärt Jens Spahn, die umstrittene Praxisgebühr werde vorerst beibehalten, darauf hätte sich die Koalition geeinigt.

Kaum ausgesprochen, widerspricht Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP): Die 10-Euro-im-Quartal-Zahlung sei sehr wohl weiter auf dem Prüfstand. Das Einzugsverfahren ist aus Sicht des Ministers zu bürokratisch, erklärt eine Ministeriumssprecherin. Auch sei eine Steuerungswirkung nicht belegbar: “Es ist daher logisch, dass die Praxisgebühr angesichts der guten Finanzausstattung der gesetzlichen Krankenversicherung infrage gestellt wird.”

Wie wäre es einfach mal mit Fakten? Eine sehr gute Studie – aus dem Jahr 2009 (!) – kommt zu dem ernüchternden Ergebnis: Nutzt so nix, die Praxisgebühr!

Das sage ich jetzt nicht einfach so, sondern Gesundheitsökonome um Jonas Schreyögg vom Hamburg Center for Health Economics. Die Evaluation der Praxisgebühr sei gemessen an der Stichprobengröße und den erfassten Jahren von 2000 bis 2009, die Daten stammen vom SOEP*. “Wichtig ist auch, dass wir im Unterschied zu fast allen anderen Evaluationen Vorher/ Nachher gemessen haben”, sagt Schreyögg.

Auch gab es eine Kontrollgruppe (die Privatversicherten, die ja keine Praxisgebühr haben), anderen Effekte, die parallel laufen wie etwa eine Grippewelle, von der alle betroffen sind (auch die PKV Versicherten), wurden isoliert, also rausgerechnet.

Wie die Grafik sehr schön zeigt: Es ist durch die eingeführte Praxisgebühr kein signifikanter Rückgang der Arztbesuche feststellbar: nur -2,6 Prozent der Fälle pro Quartal und -3,7 Prozent der Fälle insgesamt, der Rückgang in 2004 war nur vorübergehend.

Die Wissenschaftler folgern: Das Design der Praxisgebühr ist zu vorsichtig und daher ohne Wirkung. So sollte sie lieber abgeschafft werden, da außerdem zu hohe Verwaltungskosten produziert werden. Wie hoch sind die eigentlich? Hat das mal jemand ausgerechnet?

*Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die bereits seit 25 Jahren läuft. Im Auftrag des DIW Berlin werden jedes Jahr in Deutschland über 20.000 Personen aus rund 11.000 Haushalten von TNS Infratest Sozialforschung befragt. Die Daten geben Auskunft zu Fragen über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung oder Gesundheit. Weil jedes Jahr die gleichen Personen befragt werden, können langfristige soziale und gesellschaftliche Trends besonders gut verfolgt werden.

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