53.000 x Fehlverhalten = 1. Der Krankenkassen-Report

53.000! Klingt alarmierend: “Zehntausende Fälle von Betrug im Gesundheitswesen haben die Krankenkassen in den vergangenen zwei Jahren verfolgt”, so las es sich in der vergangenen Woche in einer Tageszeitung (nein, es war nicht die Bild und auch kein Online-Medium, die diese Zahl so in die Welt setzten), gefolgt von dem Zusatz: “Nun will der Gesundheitsminister juristische Schritte gegen korrupte Ärzte ermöglichen”. 53.000 Betrugsfälle durch Ärzte?

Nein, wer geschätzte 10.000 Zeichen weiterlas, erfuhr dann alle Details – es ging um 53.000 Fälle gemeldeten Falschverhaltens – Verdachtsfälle, über alle medizinischen Kategorien hinweg.

So lobenswert es ist, dass die Krankenkassen erstmals die Meldungen ihrer “Stellen zur Nennung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen” ausgewertet haben, umso weniger aussagekräftig ist bislang dies, wenn man es einzelnen Berufsgruppen zuschreiben will. Das geht nämlich (noch) nicht.

Erfasst ist erstmalig der Zeitraum von 2010 bis 2011 und bei 53.000 Fällen sind  2.602 Fälle enthalten, bei denen die Staatsanwaltschaft erstmalig unterrichtet wurde. Insgesamt wurden 33.608 Fälle abgeschlossen, zum Teil, weil sich der Verdacht auf ein Fehlverhalten nicht bestätigt hatte, erklären die Krankenkassen.

Nicht heraus gerechnet in der Fehlverhaltensstatistik der Kassen sind mögliche Mehrfachzählungen in Bezug auf die Anzahl der verfolgten oder abgeschlossenen Fälle: Wenn mehrere Kassen zunächst unabhängig voneinander zufällig wegen des gleichen Sachverhalts ermitteln, wird bei jeder Kasse ein verfolgter Fall gezählt. Größtes Manko: Es ist (noch) nicht erkennbar, ob sich die einzelnen Prüfungen gegen einen Arzt, ein Sanitätshaus, Groß- oder Zwischenhändler für Medikamente, Apotheker, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Krankenhäuser, Krankengymnasten, Podologen, Ärzte, Versicherte, Hebammen oder gegen einen Rettungsdienstleiter richteten. Auch eine Zuordnung der erhobenen Schadensbeträge nach Tätigkeitsfeldern im Gesundheitswesen wurde nicht vorgenommen.

In der nächsten Runde soll die Auswertung durch die Kassen aber detailliertere Analysen möglich machen, erklärte mir ein Sprecher. Ich bin sehr gespannt.

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