Systemwechsel: Warum Arzneimittelpreise sinken…

Es sei ein Kompromiss und es hätte früher passieren können: “Jetzt sinken die Preise der umsatzstärksten Medikamente” – titelt die NZZ am Sonntag (30. Juni). Ab dem 1. Juli werden in der Schweiz einige der umsatzstärksten Medikamente “etwa 15 bis rund 29 Prozent” günstiger. Bei Roche: Pegasus (Hepatitis), Actemra (Arthritis) und Cellcept (Abstoßung / Organtransplantation). Bei Novartis: Glivec (Krebs) und My fortic (Nierentransplantationen). Grund für die Preissenkungen: Die Pharmakonzerne haben alle gängigen gerichtlichen Beschwerden gegen den von Gesundheitsminister Alain Berset geplanten Systemwechsel zurückgezogen.

Dem Rückzug ging ein langes Seilziehen voraus, schreibt die NZZ, erst nach langen Verhandlungen mit dem Innendepartement im April sei Bewegung in die Bemühungen gekommen. Berset konnte Einsparungen von 720 Millionen Franken in den Jahren 2013 bis 2015 durchsetzen. Dafür soll das Bundesamt für Gesundheit künftig schneller entscheiden, ob die Krankenkassen ein Medikament bezahlen müssen oder nicht.
Ebenfalls einen Systemwechsel erleben die Menschen in Griechenland: Rund ein Viertel der Ausgaben im Gesundheitssystem entfielen früher auf den Arzneimittelmarkt. Dann kam die Finanzkrise. Die griechische Regierung begann zu sparen und erließ u.a. 2010 die erneute Einführung einer Positivliste, verordnete veränderte Gewinnmargen für Apotheken und Großhändler und machte Ausschreibungen für einen Teil der Arzneimittelversorgung in Krankenhäusern zu Pflicht. Das Ergebnis: Die Arzneimittelausgaben sanken von über 5 Mrd. € (2009) auf 4,1 Mrd. € (2011).
Tom Stargardt vom Hamburg Center for Health Economics und Sotiris Vandoros (LSE Health, London) haben die einzelnen Maßnahmen untersucht. Das Paper “Reforms in the Greek pharmaceutical market during the financial crisis” ist in der Zeitschrift Health Policy erschienen.

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