Neues Institut = mehr Qualität im Gesundheitssystem?

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Nicht verwirren lassen – eigentlich gibt es doch bereits jetzt zahlreiche Akteure im Gesundheitssystem, die irgendwie etwas mit Qualität (für die Patienten) zu tun haben. Warum braucht es da jetzt noch ein weiteres, wie Hermann Gröhe und die Groko dies nun weiter forcieren? Die Diskussionen um dessen Ausrichtung werden in den nächsten Tagen und Wochen zunehmen.

Viele Fragen sind offen, die prominenteste ist sicher, wer wohl Gründungsdirektor der neuen “Stiftung Gesundheit” wird. Gute Chancen werden Joachim Szecsenyi, noch Chef des Aqua-Instituts nachgesagt. Oder doch eher Christoph Veit, Leiter des Qualität und Patientensicherheit (BQS)?

Wie verhält sich das IQWiG? Und was will der G-BA?  Unlängst forderten die Abgesandten des Ärztetags von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), die Expertise der Ärzteschaft beim Qualitätsinstitut “konsequent” einzubinden. Dabei sei Qualitätsmanagement “eine Führungsaufgabe und keine Messmethode”. Qualität könne nicht “herbei kontrolliert werden”.

Wo also anfangen? Hier zunächst einmal die CVs der Akteure, mehr Info folgen:

Die Obermacker: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA)
Auch wenn es nicht jedem passt: Der G-BA ist das oberste Beschluss­g­re­mium der gemein­samen Selbst­ver­wal­tung der Ärzte, Zahn­ärzte, Psycho­the­ra­peuten, Kran­ken­häuser und Kran­ken­kassen in Deut­sch­land. Bestimmt werden (oder sollen zumindest) Richt­li­nien des Leis­tungs­ka­talogs der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) für mehr als 70 Millionen Versi­cherte. Das bedeutet: Der G-BA legt fest, welche Leis­tungen der medi­zi­ni­schen Versor­gung von der GKV erstattet werden. Darüber hinaus besch­ließt der G-BA Maßnahmen der Quali­täts­si­che­rung für den ambu­lanten und statio­nären Bereich des Gesund­heits­we­sens. Der G-BA steht also über dem IQWiG und auch über dem neuen Qualitätsinstitut. Das AQUA und der BGS wären dann wohl unnötig, oder?

Die AGler: Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA)
Aus einer Kooperation von Wissenschaftlern der Universitäten Göttingen und Hannover entwickelte sich 1993 die „Arbeitsgemeinschaft Qualitätssicherung in der ambulanten Versorgung“. Daraus entstand 1995 das Aqua-Institut, ein “im wissenschaftlichen Umfeld angesiedeltes Dienstleistungsunternehmen”, man hat sich auf Qualitätsförderungsprojekte im Gesundheitswesen spezialisiert. Seit Ende 2009 setzt Aqua im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses den “Aufbau einer bundesweiten und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung im Gesundheitswesen” um. Scheinbar aber nicht ausreichend, denn im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist die Gründung eines neuen Instituts für Qualität – s.u.

Die Gesellschafter: BQS – Das Institut für Qualität und Patientensicherheit
Das BQS-Institut beschreibt sich selbst als eine “unabhängige Einrichtung, die sich insbesondere auf die Darlegung von Versorgungsqualität im Auftrag verschiedener Partner im Gesundheitswesen spezialisiert hat.” Ganz so unabhängig ist das BQS aber nicht, Gesellschafter sind die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die Spitzenverbände der Krankenkassen (privat und gesetzlich) die Bundesärztekammer, dazu gehört auch der Deutsche Pflegerat.

 

Der Arzneimittel-Tüv: Das IQWiG
Wenn in diesen Tagen das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) seinen zehnten Geburtstag feiert (Glückwunsch!), referieren Experten in Vorträgen darüber, ob die “evidenzbasierte Medizin in der Versorgung angekommen ist”, das Haus selbst lädt zum Parlamentarischen Abend nach Berlin. EBM steht im Sozialgesetzbuch. Das Institut ist längst fester Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems. Es untersucht den Nutzen und den Schaden von medizinischen Maßnahmen für Patienten.Vorteile und Nachteile von Untersuchungs- und Behandlungsmethoden sollen festgestellt werden, darüber informiert das IQWiG mit wissenschaftlichen Berichten und allgemein verständlichen Gesundheitsinformationen.

Was es nicht ist: Das neue Qualitätsinstitut
Die Aufgabenstellungen von IQWiG und dem neuen Q-Institut seien grundverschieden, schreibt das Gesundheitsministerium. Die Häuser würden sich bei ihrer Arbeit nicht überschneiden. Das IQWiG bewerte wissenschaftlich, inwieweit neue Therapien und Methoden einen Mehrwert für Patenten bringen. Das geplante Qualitätsinstitut soll Verfahren und Instrumente entwickeln, die sicherstellen, dass diagnostische und therapeutische Leistungen in sachgerechter Weise und in der erforderlichen Qualität erbracht werden. Zweifel bleiben, etwa auch, wie es den den Mitarbeitern von Aqua und Bqs ergehen wird – reicht der freie Markt, wenn die Selbstverwaltung plötzlich fremd geht?

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