Medizinische Forschung: Mehr Wert, weniger Verschwendung

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Die Frage, wie medizinische Forschung verbessert werden kann, treibt die Akteure zunehmend um.

Mitarbeiter von Cochrane Deutschland und des Vereins Technologie- und Methodenplattform für vernetzte medizinische Forschung (TMF) diskutierten am vergangenen Donnerstag mit Forschern, Patienten, Ethikern und weiteren Gesundheitsexperten, wie Forschungsgelder besser eingesetzt werden können und wie sich eine Verschwendung durch Ineffizienz vermeiden lässt.

Endstanden sind Handlungsempfehlungen, die ich hier nachfolgend einmal zur Diskussion stellen möchte.
Parallel läuft übrigens in Edinburgh die REWARD/EQUATOR-Konferenz, von der weitere Ergebnisse zu erwarten sind. Infos zu #researchwaste15 dann ebenfalls hier.

Und nicht zu vergessen – einen großen Anschub für die REWARD-Kampagne gab im Januar 2014 ein Sonderband Lancet der Zeitschrift Lancet.

DIE HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN TMF / Cochrane Deutschland

1. Effizienterer Fördermitteleinsatz bedarf eines besseren Überblicks. Register für Forschungsprojekte müssen neu aufgebaut bzw. existierende derartige Register finanziell abgesichert werden.
– Die Registrierung neuer Forschungsprojekte, insbesondere klinischer Studien, muss in Förderausschreibungen verpflichtend vorgeschrieben werden.
– Projektanträge müssen durch aktuelle systematische Reviews (z.B. der Cochrane Collaboration) ihre Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit nachweisen.

2. Ethische, rechtliche und methodische Aspekte verlangen eine stärkere Berücksichtigung in der biomedizinischen Forschung.
– Das Vorhandensein ethischer, juristischer und methodischer Expertise (z.B. hinsichtlich Datenschutz und Biometrie) muss zu einer Fördervoraussetzung werden, die entweder von den Projektpartnern selbst nachzuweisen oder durch Mitgliedschaft in einer geeigneten Querschnittseinrichtung (wie z.B. der TMF) sicherzustellen ist.

3. Die dauerhafte Nutzbarkeit von Forschungsinfrastrukturen wie Daten- und Probenbanken muss abgesichert werden.
– Querschnittseinrichtungen, die aus einer Projektförderung hervorgehen sollen, werden derzeit dazu verpflichtet, bei Antragstellung Konzepte für ihre eigene Nachnutzung und Nachhaltigkeit vorzulegen. Die Bereitstellung der hierfür notwendigen finanziellen Mittel muss jedoch konstitutioneller Bestandteil öffentlicher Forschungsförderung werden.
– Eine Zusammenarbeit mit solchen Querschnittseinrichtungen sowie die Einbindung vorhandener Expertise zu Nachnutzung und Nachhaltigkeit müssen Fördervoraussetzungen werden.

4. Projekt- und disziplinübergreifende Standards müssen von der Wissenschafts- Community selbst definiert werden.

– Das Verfolgen von Top-Down-Ansätzen bei der Definition methodischer und struktureller Standards gefährdet deren Akzeptanz. Daher muss die Mitwirkung an der Selbstorganisation der Forschung (z.B. in der TMF) und der Entwicklung generischer Problemlösungen von Forschungsförderern ein- gefordert und finanziell unterstützt werden.

5. Studienergebnisse müssen transparent und validierbar sein.
– Alle Ergebnisse öffentlich geförderter Forschung – einschließlich Forschungsprotokollen,Analyseplänen und Rohdaten – müssen vollständig veröffentlicht werden.

6. Die Priorisierung medizinischer Forschung muss die Bedürfnisse von Patienten berücksichtigen.
– Patientenvertreter sind an maßgeblichen strategischen und operationalen Entscheidungen über Fördermaßnahmen zu beteiligen.
– Für den Austausch zwischen Patienten und Wissenschaft müssen geeignete Foren gefunden bzw. geschaffen, finanziell abgesichert und institutionalisiert werden.
– Die Politik muss durch das Bereitstellen öffentlicher Mittel darauf hinwirken, dass der Patientendia- log nicht allein einer Förderung aus der industriellen Forschung überlassen bleibt.

7. Alle Interessengruppen müssen am Diskurs zur Forschungseffizienz partizipieren.
– Faktoren, die in Deutschland Ineffizienz in der medizinischen Forschung begünstigen, sowie das eigentliche Ausmaß dieser Ineffizienz müssen durch systematische empirische Forschung (Research on Research) aufgedeckt und untersucht werden. Besonderes Augenmerk ist dabei auf Fehlanreize im Wissenschaftssystem zu legen.
– Verbesserungsansätze müssen von allen Interessengruppen (d.h. Forschern, Förderern, Ethikern, Klinikern, Ärzten, Patienten, Juristen, Politikern, Fachverlagen und Industrie) gemeinsam diskutiert und entwickelt werden. Die Politik sollte diesen Prozess anstoßen und vorantreiben.

Quelle: tmf_ev / CochraneWas lässt sich leicht umsetzen? Was ist unmöglich? Was stößt auf allzugroße Hemmnisse? Welche Rolle fällt der Politik zu? Welche den Verlagen?

UPDATE 25.10. 2015: Noch bin ich leider noch nicht dazu gekommen, die Reaktionen und Ergebnisse aus Edinburgh zusammen zu stellen – ich hoffe, ich kann das in der kommenden Woche übernehmen. 🙂 Falls jemand vorab kommentieren mag, sehr gern!

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